Das kleine Einmaleins der Versicherungen

Ob eine bestimmte Art der Versicherung für einen Haushalt wirklich lohnenswert ist, kann man mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung bestimmen. Und weil die Wahrscheinlichkeitsrechnung das Ergebnis gebracht hat, dass jeder Mensch jeden Tag krank werden oder durch einen Unfall verletzt werden kann, wurde die Krankenversicherung per Gesetz zur Pflichtversicherung für jeden deutschen Bürger erhoben. Doch dort hört die Rechnerei bei der Krankenversicherung nicht auf. Die Krankenkasse erhebt den kompletten Beitrag zur Sozialversicherung, der sich aus einem Anteil für die reine Krankenversicherung, einem weiteren Anteil für die Pflegeversicherung und die Rentenversicherung sowie für die Versicherung zum Bezug von Leistungen bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit zusammen setzt. Alle Anteile werden als Prozentsatz zum Entgelt erhoben. Das gilt auch bei der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung für den Selbstständigen. Lediglich die private Krankenversicherung erhebt Beiträge, die als Pauschale für einen bestimmten Leistungsumfang gezahlt werden müssen.

 

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung war es auch, die in Deutschland zur Pflicht einer Haftpflicht Versicherung für motorisierte Kraftfahrzeuge führte. Die Zahl der Unfälle ist gigantisch und die Schäden nehmen Dimensionen an, die von den Fahrzeugführern statistisch betrachtet nur in den wenigsten Fällen selbst beglichen werden können. Auch bei der KFZ Haftpflicht sind die Statistik und die Prozentrechnung nicht wegzudenken. So wird zum Beispiel der erarbeitete Schadensfreiheitsrabatt in der Haftpflicht als Prozentzahl angegeben. Er drückt aus, welcher Anteil von Versicherten am Grundbeitrag zu zahlen ist. Einen ähnlichen Rabatt für schadensfreie Jahre kennt im Übrigen auch die gewerbliche und private Haftpflicht. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt der Regionalklasse und der Typklasse bei der Haftpflicht für Fahrzeuge zugrunde. Hier wird anhand von aktuellen Unfallstatistiken ausgerechnet, wie hoch die Unfallwahrscheinlichkeit innerhalb eines Zulassungsbezirks und einem bestimmten Fahrzeugtyp ist.

 

Bei der Rechtsschutzversicherung handelt es sich um eine reine Risikoversicherung, die aus einzelnen Bausteinen zusammen gesetzt ist. Hier braucht der interessierte Verbraucher die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Er muss einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Schadensfalles aus einem bestimmten Rechtsgebiet bei ihm ist. Hinzu kommen die Relationen der pro Monat zu zahlenden Beiträge und die der auflaufenden Kosten eines Schadens. Mit welcher Schadenshöhe werden die Beiträge zur Rechtsschutzversicherung für welchen Zeitraum abgedeckt und wie hoch ist angesichts der persönlichen Lage die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Zeitraum mehrere Schadensfälle auftreten? Genau das wäre nämlich ein Fakt, der den Abschluss einer Rechtschutzversicherung wirklich rentabel macht. Diese mathematische Analyse zur Notwendigkeit einer Rechtsschutzversicherung müsste der gründliche Verbraucher für jedes einzelne Rechtsgebiet durchführen, wenn er optimal abgesichert sein, aber andererseits nicht mehr Geld als nötig ausgeben möchte.